Segelcheck Blog
Sonne, Wind, Fisch und Fest
- Treffer: 157
- 0 Kommentare
- Updates abonnieren
- Lesezeichen
Frühling! Fast nirgendwo kommt er schneller, eindrucksvoller. Sind wir nicht gerade dem Winter entflohen? Kaum zu glauben, dass der fehlende Farbanstrich an der Wasserlinie vom Eis abgekratzt wurde. Hab ich nicht letzte Woche sehnsüchtig die winzigen und wenigen Knospen an den Büschen entdeckt. Als klägliche Booten des Frühlings.
Die Tage explodieren förmlich. 17 Stunden Licht am Tag. Sonne. Wärme. Licht und Schatten. Ein Meer, dass mit Wonne das Licht der Sonne von allen Seiten spiegeln lässt. Ein Land, dass den Winter in einer Woche vergessen hat. Eine warme Briese, die uns sanft entlang der „Riviera Norwegens“ entlang treibt. Eine Küste, die blüht und feiert, feiert und blüht. Und Menschen, welche die Sonne verehren.
Wir haben den Oslofjord hinter uns gelassen. Nicht, weil er nicht schön genug sein. Nein, wir freuen uns, seine Küste kennen gelernt und seine Wasser gekreuzt zu haben. Nein, auch nicht, weil wir keine Zeit mehr haben und unseren Plänen hinterher hinken. Nein, einfach nur deshalb, weil das Wetter unser Vorankommen bestimmt. Und, es ist uns wohl gestimmt. Denn der Wetterbericht erzählt von Ostwind. Von sanften Ostwind und sonnigen Tagen. Von stabilen Hochdruckgebieten und ruhiger See. Der Wetterbericht schwärmt uns von einem Wetter vor, wie wir es uns nicht besser wünschen hätten können. Und La Belle Epoque ist bereit. Wir sind bereit. Das Abenteuer Nordatlantik kann beginnen!

Und wie es losgeht. Das Logbuch verzeichnet herrliche Segeltage bis zur hübschen Stråholmbukta, zu dem mediterran anmutenden Städtchen Risør, durch dicken Nebel weiter bis Lyngør - wo uns der Bierpreis im Kro des Segelmachers halb unmächtig schlägt, das Dorf dafür aber mit seinem Idyll belohnt – und endlich, raus in die Nordsee.

Denn auch wenn die Küste hier wunderschön ist und das Wetter zum verweilen einladet, die Nordsee flüstert uns mit ihren sanften Wellen das süße Versprechen einer herrlichen Überfahrt. Und wir können nicht wiederstehen. Und während La Belle Epoque unter ihrer Genua immer weiter Richtung West-Süd-West gezogen wird und der Kuchen im Rohr duftet, wissen wir schon längst, dass wir heute Nacht kein Land finden wollen.

Eigenartige Stimmung erfüllt das Boot am späten Nachmittag. Die See ist spiegelglatt, Dunst verschleiert den Sonnenuntergang. Der Horizont verwischt sich im hellen Schein von leichtem Nebel und die Segel scheinen kaum zu stehen. Und dennoch: La Belle Epoque zieht wie von Geisterhand getrieben mit 4 Knoten Fahrt stetig Richtung Kristiansand. Und auch wenn der Untergang der Sonne nicht zu sehen war, doch taucht sie unsere Welt in ihren rosaroten Schleier und das Deck fängt zu leuchten an.

Langsam stellen wir uns auf die kommende Nacht ein. Wir trinken gemeinsam unseren abendlichen Tee und beobachten, wie langsam das Licht abgedreht wird und der Wind auffrischt. Wir streichen die Genua und setzen die etwas kleinere Fock. Und schließlich sitze ich alleine im Steuerhaus, eingewickelt in eine warme Decke und mit einer Tasse Tee in der Hand. Doch halt, ich bin nicht ganz alleine, denn da taucht Mercedes auf, und ihre große Liebe, der Graf von Monte Cristo. Ja, gibt es denn eine bessere Verwendung für Hörbücher, als zur nächtlichen Wache? Der Blick bleibt am Wasser, die Müdigkeit bekommt keine Chance, und während das Schiff die Wogen mit ihrem Bug teilt, bekommt die Phantasie Flügel. An dieser Stelle muss ich glatt noch mal ein dickes Danke an Axel und Marion loswerden, die zwei fröhlichen Segler, die uns all diese schönen Hörbücher zum Abschied geschenkt haben.
Um halb Vier Uhr Morgens steht Jürgen neben mir. „Ja, willst du denn nicht auch mal ins Bett?“ „Pst. Die Schlussszene!“ Außerdem, was steuert dieses dicke Schiff da auf uns zu! Monte Cristo, jetzt musst du mit deinem Tod noch warten. Und schon schick ich ein „Securite“ über Funk hinaus. „Securite, Securite, Securite. This is sailingvessel La Belle Epoque…” Gut und deutlich sind wir zu sehen. Kein Problem, wir – ein Passagierschiff – sind 0,6 Seemeilen von euch entfernt und werden euch Steuerbord passieren. Kein Problem, keine Sorgen und gute Reise! Na, ja, ich wollt halt nur sicher gehen...
Und wieder Sonnenschein. Der Wind frischt auf und folgt uns rund um die Südküste Norwegens. Am späten Nachmittag haben wir genug. Bei dem Wind fahren wir ja glatt an Stavanger vorbei, da ist´s wohl besser, doch noch mal vor Anker durchzuschlafen. Und schon steuern wir durch die spitzen Felsinseln, runden eine Landspitze, die uns Schutz vor dem steifen Wind bieten wird und lassen den Anker samt Kette ausrauschen. Was für eine schöne Ankerbucht. Was für ein schönes Land.

Wir segeln weiter bis Stavanger, der Ölmetropole Norwegens. Doch weit gefehlt, wer sich hier nur große Versorgungsschiffe und triste Bürobauten vorstellt. Stavanger ist schön und fröhlich. Überall gepflegte Altstadthäuschen, Pflasterstein und Frühlingsblumen. Lebenswerte Wohngebiete, lebendige Wasserfront und überall feiernde Norweger. Denn wies aussieht lieben die Norweger ein paar Dinge: Sonne, dunkelrote Ferienhäuschen, Boote und vor allem: Feste! Und wir, wir liegen am Stadtpier und genießen den Trubel. Denn auch wenn wir uns die Lokale Norwegens nicht leisten können, hier ist man überall mitten drin und kann sich von der ausgelassenen Stimmung mitreißen lassen!



Kommentar hinterlassen