Segelcheck Blog
Steinbuckeln - Frühling in Schweden
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Endlich zieht die Genua! Sofort stellen wir den Diesel ab und nutzen den auffrischenden Nordwestwind. La Belle Epoque zieht unter vollen Segeln los, während die Abendsonne den Himmel über uns mit ihrer Farbenpracht schmückt. Schon bald frischt der Wind auf und im letzten Licht des Tages wechselt Jürgen die Genua gegen die kleinere Arbeitsfock. Bis 7 Beaufort sind gemeldet, wir werden unter dem kleineren Arbeitssegel zügig voran kommen.

Der Leuchtturm nördlich Grenaa leuchtet uns einen letzten Abschied vom dänischen Festland und an Bord kehrt heitere Ruhe ein. Es ist nicht so kalt wie befürchtet, trotzdem bin ich froh um meinen dicken Overall, in den ich gut eingepackt hinterm Steuer sitze. Ich habe den Autopiloten wieder abgestellt, es ist schön, der Nacht entgegen zu segeln und dabei selbst das Boot zu führen. Doch bald schon werde ich von Jürgen abgelöst, es wird Zeit, ein wenig die Kräfte zu schonen, wir werden noch in der Nacht Schweden erreichen und uns in der Finsternis einen Weg durch die zerklüftete Schärenwelt suchen müssen. Müdigkeit kann dann gefährlich werden.
Ich bin froh, draußen zu sein. Unser letzter Aufenthalt in Dänemark war ja etwas frustrierend. Um noch ein paar Erledigungen zu machen und einen guten Ausgangspunkt für unseren Segelschlag quer über das Kattegatt zu haben, sind wir im Yachthafen in Grenaa eingelaufen. Ein Hafen, der nicht nur teurer war als angenommen, sondern auch noch einiges weniger zu bieten hatte als gewöhnlich. Tja, Offsaison eben! Keine funktionierenden Duschen, einen defekten Trockner (was uns die gute Dame im Büro allerdings nicht verraten hat, als ich sie nach Waschmaschine und Trockner fragte) und eine leere Dieselzapfe, die zwar unser Geld schluckte, dafür aber keine Diesel hergab. Dazu noch eine Wettermeldung, welche die versprochenen leichten Südwestwinde für den kommenden Tag in ungemütliche und auffrischende Nordwest änderte. Klar, da mussten wir sofort wieder raus!
In der Dunkelheit passieren wir Anhold. Eigenartig, die Insel bleibt finster. Nirgends ist das Leuchtfeuer zu sehen. Egal, die elektronischen Seekarten geben Sicherheit, dass der Fehler beim Leuchtturm liegt und nicht in meiner Navigation. Später öffnet sich vor uns ein Feld von Navigationslichtern. „Phu, wie werden wir jemals durch dieses Gedränge an Schiffen durchfinden!“ Mache ich mir noch Sorgen, da ziehen schon die ersten Fischtrawler bei uns vorbei. Schneller als gedacht lassen wir die Schifffahrtslinie hinter uns, wir segeln mitten in die Untiefen der schwedischen Schären. Hierher verirren sich keine Schiffe in dieser finsteren Nachtstunde und wir sind wieder alleine. Und der Wind frischt immer mehr auf. Die vielen Richtfeuer und Leuchtbojen weisen uns den sicheren Weg durch die vielen Felsriffe und fast zu schnell erreichten wir die Ankerbucht, unter vollen Segel rauschten wir mit sieben bis acht Knoten Fahrt in die seichte Bucht, bis Jürgen endlich die Segel geborgen hatte. Der Anker fällt in den Schlick und wir in die Koje.
Doch unsere verspätete Rast sollte nicht lange dauern, denn schon nach wenigen Stunden meldet sich der Ankeralarm. La Belle Epoque hat sich losgerissen und treibt Richtung Küste und ein klassischer Pyjamatörn steht am Programm! Raus, Anker rauf und neuen Platz suchen!

Nach zwei Tagen verlassen wir Skalla Hamn und kreuzen zwischen den Schären nach Göteborg. Was für eine eigenartige Schärenwelt wir hier gefunden haben. Den Kopf gefüllt mit den Eindrücken von der schwedischen Ostküste hatten wir bewaldete Inseln, herrlich grüne Natur und schöne Vegetation erwartet. Fast endtäuschend sind jedoch diese nackten Steinbuckeln, die wir hier finden. Kein einziger Baum weit und breit, ein letzter Rest Schnee zwischen den Felsen, ein paar Vögel und weit und breit keine wuchernde Vegetation zu finden, oh was für eine kahle Gegend.

Göteborg empfängt uns mehr als freundlich. Im Hafen von Hinsholmen dürfen wir gratis liegen, da die Saison noch nicht angebrochen ist. Auch ihren Mastenkran dürfen wir gratis benützen und so entschließen wir uns, nach einem Tag in der Stadt, endlich das scheppernde Kabel im Großmast zu wechseln. Gesagt, getan, und schon liegt der Großmast am Steg. Doch keine zwei Stunden später glänzt La Belle Epoque wieder als stolze Segelyacht, während wir uns damit herumschlagen, das Rigg wieder richtig durchzuspannen.

Das Wetter will einfach nicht länger mitspielen und, nach einigen Tagen warten, verlassen wir Göteborg bei diesigem Wetter. Es dauert jedoch nicht lange, da zieht dichter Nebel auf, keine Schiffslänge Sicht haben wir mehr, ausgerechnet mitten in den Schären von Göteborg. Aber macht nichts, ein wenig Wind ist ja noch zu spüren und langsam segle ich durch den grauen Schleier, während Jürgen am Bug Ausschau hält. Im letzten Moment drehe ich ab, als eine Fähre aus dem Nebel direkt neben uns auftaucht. Ok, ich hab´s verstanden, ab sofort läuft auch das Radar mit!
Irgendwann verschwindet auch der Nebel wieder und wir setzen gemütlich unseren Weg in den Norden fort. Wer hätte das gedacht: die Schären um uns können doch mehr erzählen als wir zuerst dachten. Die zerklüftete Inselwelt wird bunter. Kleine Dörfer aus weißen und roten Holzhäusern hängen an den Hügeln, die mit ihrem roten Granit das Meer küssen. Fruchtbares Land finden wir, kleine Farmen, Wälder und wunderschöne Sandstrände. Die Felswände werden höher, die Vegetation beginnt, den Winter zu vertreiben. Ja, ein Land oder eine Küste sollte man eben nicht zu voreilig beurteilen! Nur schade, dass wir diese Küste nicht im Sommer erleben können.
Doch es treibt uns weiter und in wenigen Tage - so das Wetter mitspielt - werden wir auch Schweden in unserem Kielwasser lassen. Der Oslofjord liegt vor uns. Gespannt freuen wir uns auf die norwegische Hauptstadt, in der wir einige Tage verbringen wollen. Immerhin gibt’s dort für uns viel zu sehen. Denn wir wollen unbedingt die FRAM und die KON TIKI besuchen!



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