Segelcheck Blog
Frühlingsbote mit weißen Segeln
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Das trockene Schilf am Ufersaum raschelt im frischen Westwind und es klingt, als würde man Sand auf eine Steinfläche rieseln lassen. Im Hintergrund mischt sich das unauslöschliche Geräusch der Brandung zum Pfeifen des Windes und den lockenden Rufen der Möven, die über der blauen Wasserfläche scheinbar im Wind stehen. Der steife Wind hält die ganze kleine Inselwelt fest in seinem Griff, doch die Kraft der Sonne nimmt täglich weiter zu und nimmt mit ihren warmen Strahlen selbst den Westwind seine Kälte.

Wir wandern über die sanfte Landschaft von Samsoe und sind beinahe erstaunt darüber, unwahrscheinlich schnell der Frühling die Herrschaft übernommen hat. Unter dem dürren Gestrüpp der Wildrosen blühen die ersten Frühlingsboten und schmücken das Land mit ihrer bunten Pracht. Frische grüne Triebe zeigen sich zwischen den braunen Grasflächen und die kräftigen Sonnenstrahlen wärmen die Haut. Die Insel selbst zeigt sich ruhig und einsam. Noch sind keine Sommergäste unterwegs, die kleinen Ferienhäuschen stehen leer und die Buchten sind verlassen. Nur Fähren und Frachter sind am Horizont auszumachen, die vielen kleinen weißen Dreiecke, die im Sommer den Horizont verzieren, sind noch nirgends zu entdecken. Die Häfen sind noch leer, die vielen Boote stehen hoch und trocken an Land und warten darauf, das ihre Eigner endlich wieder die neue Saison begrüßen. Hie und da entdecken wir schon fleißiges Treiben, frische Unterwasserfarbe wird aufgepinselt und neue Persenninge werden angepasst. Jeder freut sich schon, bald wieder ins Wasser zu kommen und den Sommer zu genießen, doch gesegelt wird noch nicht.

Schade eigentlich, erleben wir doch so wunderschöne Segeltage hier im dänischen Frühling, seit wir unsere Reise aus dem Winterquartier in Flensburg starten. Nach zwei Tagen steifen Nordwind in der Flensburger Förde meint es das Wetter endlich gut mit uns, der trübe Himmel reist auf und ein sanfter Westwind bläst auch den letzten Wolkenschleier außer Sicht. Unter strahlend blauen Himmel segeln wir gemütlich und mit Leichtwindsegel durch den Alsfjord, laufen als erste Yacht in der hübschen Bucht von Dyvig ein und spazieren über das Land, während La Belle Epoque einsam in der großen Ankerbucht schaukelt. Beim Picknick am Ufer müssen wir uns eingestehen, das wir das „Land des Biers“ wieder hinter uns gelassen haben, die Dänen können zwar sicherlich viel, doch die Braukunst ist nun mal eine deutsche Kunst... Doch egal, der warme Schwarztee aus der Thermoskanne ist zur Zeit ohnehin der Renner an Bord.

Obwohl wir die hügelige Landschaft um Dyvig genießen, treibt es uns bald weiter. Das Wetter ist zu herrlich und wir wollen raus aufs Wasser. Wieder schiebt der achterliche Südwestwind La Belle Epoque mit rauscher Fahrt vor sich her, die Sonne ist bereits so stark, dass wir unsere Dieselofen abstellen können und unsere warmen Overalls getrost verstauen können. Ach wie herrlich, endlich wieder die Luken öffnen zu können, um die frische Briese durchs Schiff blasen zu lassen. Unser neu installierte Selbststeueranlage übernimmt die Arbeit des Rudergängers und wir tanzen im Frühlingsrausch an Deck herum.

Durch den Aaroe Sund übernehme ich wieder, stelle die Selbststeueranlage ab und mache es mir im Steuerhaus bequem. La Belle rauscht durchs Wasser, doch das GPS zeigt nur 3 Knoten Fahrt über Grund. Starke Strömung setzt am südlichen Eingang des Sundes gegen uns und hinterlässt mir ein Gefühl am Rad, als ob das Steuer jemand anderer übernommen hätte. Spaziergänger am Ufer des Sunds bleiben stehen und betrachten unser grünes Segelboot, wie sie mit voller Besegelung durch den Sund pflügt. Ja, jetzt wissen auch sie, dass der Frühling unaufhaltsam kommt, mit unseren geblähten weißen Segeln fühlen wir uns wie erste Frühlingsboten.
So schnell die Strömung gegen uns gekommen war, löst sie sich auch wieder ins Nichts auf und schon sausen wir mit 8 Knoten Fahrt durchs Wasser. Den geplanten Ankerstop auf Baagoe streichen wir, zu schön ist es hier draußen im Kleinen Belt, um schon für den restlichen Tag vor Anker zu liegen.

Wenige Stunden später erreichen wir die kleine Insel Fenoe, in deren Windschatten wir ankern. Für den Abend feuern wir doch noch einmal unseren Dieselofen an und genießen die Wärme in der Kajüte.
Obwohl das alte Küstenhandbuch Middelfart als nicht besonders sehenswert beschreibt, begeben wir uns auf die nasse Dingifahrt über den Faenoe-Sund und machen einen Landausflug. Und siehe da, Middelfart entpuppt sich als hübsche Hafenstadt, mit viel Geschmack wurden die Löcher zwischen den alten Häusern mit modernen Bauten gefüllt die Stadt vermittelt einen Flair von Urlaub und Sommer. Cafes und Parkanlagen säumen die Wasserfront und die kleinen Läden zeigen schon ihre Frühlingskollektionen.
Schon ist unser Anker wieder gelichtet, langsam segeln wir unter den beiden Brücken von Middelfahrt durch in den Norden. Der Wind frischt auf und wir wechseln die Leichtwindgenua gegen die schwere Genua. Ohne Besansegel legt sich La Belle Epoque mit bis zu sieben Knoten Fahrt ins Zeug. „Hm, könnten wir es vielleicht sogar heute noch bis Samsoe schaffen?“ Überlege ich laut und schon gesteht Jürgen, dass auch er keine Lust mehr hat, schon in Aebeloe halt zu machen.

Gesagt, getan, kurz nach 5 Uhr Abends fällt der Anker vor Ballen, Samsoe, doch nach einer unruhigen Nacht am rolligen Ankerplatz verlegen wir uns in die beliebte Bucht von Langoer, weiter nördlich auf Samsoe. Ein Platz, der zum Verweilen einlädt. Und einige Tage verweilen wollen wir auch, denn die Wetterdaten über Funk zeigen noch ein paar Tage stärkere Winde aus Nord und Nordwest, bis wieder konstanter Südwest einsetzt, den wir für unsere Überfahrt über das Kattegat nach Westschweden nutzen werden. Und so stecken wir die Füße in den weißen Sandstrand und warten, während La Belle Epoque an ihren beiden Ankern zieht.



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